Letter from G. Weil to H. W. Henze, October 16, 1983
Settings
Show markers in text
Context
Absolute Chronology
Preceding
- 1980-11-07: to Henze
- 1982-04-12: from Henze
Following
- 1984-11-30: to Henze
- 1983-11-03: from Henze
[Typescript]
Grete Weil-Jockisch
CH 6611 Contra/ T I
Casa Mezzogiorno
Tel. 093 / 67 15 61
seit Monaten wollte ich dir schreiben, aber ich
hatte viel Besuch und musste ein holländisches
Buch termingerecht übersetzen*, so ist es beim Vor-
satz geblieben, bis diese Woche Helen Grob angerufen
hat. Nun also ein Brief, zusammen mit meinem letz‡ten
Buch, das im September erschienen ist*. Nicht ganz
so dicht wohl wie die Antigone, aber eben doch ein
Stück von mir.
Ich hatte im Frühjahr eine Operation an der Hüfte,
die ganz fabelhaft gut gelungen ist, dafür plagt
mich jetzt das nichtoperierte Sprunggelenk, auch mit
Arthrose, aber das tut wenigstens nur beim Gehen weh
und ist mit Schmerzmitteln ganz gut zu ertragen.
So gut, dass ich gerade mit Sellners eine Chinareise
für das Frühjahr plane.Ein‡ bisschen spinnig bei
Gustels und meinem Alter, aber wenigstens das Planen
macht Spass.Davor‡ wahrscheinlich noch eine kurze
Reise nach Israel, da gehe ich nicht gern hin (ich
war nie dort), weil ich Angst vor meinen eigenen Ge-
fühlen des Dazugehörens und Nichtdazugehörens habe,
aber ich will die Landschaft für mein nächstes Buch*
gesehen haben.
Das ich nicht zur Katze kommen konnte* hat mir sehr
leid getan, aber ich bin damals noch mit zwei Krücken
herumgelaufen und war recht unbeweglich.Vielleicht‡ kann
ich einmal nach Stuttgart fahren. Dein Buch hat mich
sehr fasziniert, noch herzlichen D‡ank dafür. Lass
mich durch Helen wissen, wann und wo du in dem immer
schwieriger werdenden Germany bist, vielleicht gelingt
in diesem Jahr ein Wiedersehen.
Alles Liebe deine
Grete
Editorial
Tradition
-
Text Source: Basel (Schweiz), Paul Sacher Stiftung (CH-Bps), Sammlung Hans Werner Henze, Abteilung: Korrespondenz
Shelf mark: Weil-Jockisch, MargarethePhysical Description
- Document type: Letter
- graues Briefpapier Weil-Jockisch, Name und Adresse sind in grün eingedruckt, der Name größer als die Adresse
- Faltung: einmal quer, einmal lang
- 1 folio
- 1 written page
- Dimensions: 269x181 [mm] (HxW)
- gelocht
- anderthalbzeilig, Rand links: 4 cm
Material
Extent
Condition
Layout
Writing styles
-
1.Typescript.
-
2.Handwriting, Weil, Grete, felt pen/fineliner (black).
Text Constitution
-
"z""t" overtyped with "z"
-
"… Chinareise für das Frühjahr plane.Ein"Kein Leerzeichen nach dem Punkt.
-
"… wenigstens das Planen macht Spass.Davor"Kein Leerzeichen nach dem Punkt.
-
"… herumgelaufen und war recht unbeweglich.Vielleicht"Kein Leerzeichen nach dem Punkt.
-
"D"added inline, handwritten, felt pen/fineliner (black), Weil, Grete
-
Following: handwritten, felt pen/fineliner (black), Weil, Grete
Commentary
-
"… ein holländisches Buch termingerecht übersetzen"Hierbei dürfte es sich um das Buch von Jereon Brouwers "Versunkenes Rot" handeln, das 1984 in Zürich auf deutsch erschien.
-
"… das im September erschienen ist"Dieses Exemplar der "Generationen" mit der Widmung Grete Weils "Dem großen Hans von Butza Contra, Okt. 83" hat sich in Henzes Privatbibliothek erhalten (LLB Detmold: Sign.: Henze 2 B 2589).
-
"… Landschaft für mein nächstes Buch"Grete Weil veröffentlichte als nächstes Buch 1988 "Der Brautpreis".
-
"… nicht zur Katze kommen konnte""Die englische Katze" erlebte ihre Uraufführung im Rahmen der Schwetzinger Festpiele am 2. Juni 1983. Ausführende waren die Württembergische Staatsoper unter Leitung von Dennis Russel Davies.