Brief (mit Umschlag) von H. W. Henze an R. Zechlin, 27. Juli 1974
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[Manuskript]
Via del Fontanile
00047 Marino (Roma)
27. Juli 74 Liebe Ruth –
möchte Dir ein paar zeilen nur schicken um
mich für Deinen Mai-brief zu bedanken. ich sitze gerad
im flugzeug richtung London wo ich einige orchester-leseproben
halten muss für „Bassariden“* – dies ist eine unterbrechung
von meiner kompositionsarbeit (die oper, die immer noch
keinen titel hat) Du hast keine ahnung was für einen
sommer ich erlebe: stehe jeden morgen um 6 auf (wache
von selbst auf) arbeite bis 13 uhr, komponierend, instru-
mentierend, meditierend, viel tee trinkend, überhaupt keinen
alkohol. dann 3-4 stunden siesta, dann wieder arbeit
bis 21 uhr. es geht wunderbar. habe schon 30 pfund
abgenommen. durch diese arbeit werde ich ein anderer mensch
werden. übrigens: lass Dich nicht irreführen! meine sprache ist
Via del Fontanile
00047 Marino (Roma)
techniken adaptiert habe. da ändert sich gar nichts. im
gegenteil. unten ist jetzt die Themse, und es ist schön grau
wie ich es in London (in allen grossstädten) mag. Du musst
Dir klar machen dass durch die kraft meiner phantasie jedes
stilmittel in etwas anders, meiniges, umgeschmolzen wird. ich bin
kein experimentator, ich suche keine neuen mittel, das überlasse
ich andern. ich nehme was ich brauche um das zu sagen
was ich zu sagen habe (und nicht die anderen) es
wackelt jetzt doch zu sehr –
bin jetzt in London, habe schon 4 stunden mit
meinem assistenten (einer druckfehler wünschelrute) gearbeitet.*
werde jetzt schlafen gehen. ich hoffe Du arbeitest gut und
bekommst bald Deine orgel. das wird ein fest werden! wollte
Via del Fontanile
00047 Marino (Roma)
bist oder doch wenigstens stark scheinst (vielleicht verbirgst Du
Deine schwäche) aber ich habe den eindruck dass Du Dich
zu leicht deprimieren lässt. ich finde Du hast das nicht
nötig. mehr noch: es passt gar nicht zu Dir. ohne Deine
erlaubnis sollte niemand Dich kränken dürfen. in anderen worten: es
würde mir gefallen, wenn Du Dich nie von misslichen situationen
beeindrucken oder beeinflussen lassen würdest. verstärke also doch
Deine heitere seite! da wirst Du sehr an kraft zu-
nehmen, glaube mir.
ich wünsche Dir sehr das[sic]‡ Dir
das gelingt, und grüsse Dich
vielmals
sehr freundschaftlich
hans
[Umschlag, Manuskript]
D. D. R.
German
Democratic
Republic
Prof. Ruth Zechlin
1115 Berlin – Buch
Bielckenweg 8
La Leprara
Via del Fontanile00047Marino (Roma)
Apparat
Überlieferung
-
Textzeuge: Berlin (Deutschland), Staatsbibliothek zu Berlin. Musikabteilung (D-B), Briefsammlung Ruth Zechlin
Signatur: 55 Nachl 56,21Quellenbeschreibung
- Dokumenttyp: Brief
- Henze_04, blaues, sehr kräftiges Papier
- 3 Blätter
- 3 beschriebene Seiten
- Abmessungen: 210x138 [mm] (HxB)
- gefaltet: 1mal quer, DinA6
- Rand links: 2,5 cm; Absätze kein Einzug und kein Abstand; Blätter vom Block
Material
Umfang
Zustand
Layout
Schreibstile
-
1.Handschrift, Henze, Hans Werner, Filzstift/Fineliner (blau).
Textkonstitution
-
"das"sic
Einzelstellenerläuterung
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[Rotation]Abschnitt, Text im Uhrzeigersinn gedreht (90°).
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[Rotation]Abschnitt, Text im Uhrzeigersinn gedreht (90°).
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"… orchester-leseproben halten muss für Bassariden"Die englische Erstaufführung der „Bassariden“ fand am 10. Oktober 1974 im London Coliseum statt.
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[Rotation]Abschnitt, Text im Uhrzeigersinn gedreht (90°).
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"… assistenten (einer druckfehler wünschelrute) gearbeitet."Vgl. zu Henzes Londoner Aufenthalt auch den kurzen Bericht in der Autobiographie S. 408.
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[Rotation]Abschnitt, Text im Uhrzeigersinn gedreht (90°).