Letter (with Envelope) from H. W. Henze to R. Zechlin, April 11, 1973
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Context
Absolute Chronology
Preceding
- 1973-02-02: to Sacher
- 1973-04-07: from Barnet
Following
- 1973-04-11: to Enzensberger
- 1973-05-30: from Barnet
[Manuscript]
00047 Marino (Roma)
hatte Deinen brief mit auf der reise aber kam
dennoch nicht zum schreiben.
war am 22. märz* in münchen zur premiere vom
jungen Lord*, dann in New York zur premiere vom
jungen Lord am 26. märz*, dann 5 tage in
paris, sah die eröffnung der Liebermann-Saison
„Nozze di Figaro“ (Solti – Strehler) in Versailles*,
dann in London wo ich elektronisches machte*. nun
bin ich wieder im regnerischen kühlen grauhimmeligen
Marino und musste feststellen, dass auch in meinem
privatleben was anders ist, es ist jemand ab-
gehaun als ich in N.Y. war, so traurig, aber
ich finde solche dinge ja, auch, oder gar in erster
linie, komisch und muss lachen. vielleicht ist es auch
traurig, dass es mir so wenig ausmacht. vielleicht bin
ich erleichtert. bin nur leicht betroffen weil ich nicht
gemerkt habe wie ich belogen wurde. man lässt sich nicht
gern belügen. beluga Kaviar*. aber es ist auch wieder
sehr günstig weil die sterne es wohl so wollen dass
ich ganz zufrieden bin und doll gut arbeite. Du schriebst
es wäre schön ich hätte menschen um mich die mich
verstehen: das ist nicht der fall gewesen gar nicht.
mehr analphabetismus und so (was mich fasziniert)
2
00047 Marino (Roma)
es ist alles sehr kosmopo‡litisch, momentan sitzt ein zauberstück
im Transsibirenexpress von Tokio nach Rom um mich zu
besuchen, bzw. im Italischen zu bleiben und so. Du
siehst auch dies ist alles so bedacht worden, von
den Iden des März. Letzterer ist übrigens gar nicht
unalphabetisch.
was noch? ich mach an meinen liedern weiter; lieder
sind ja wohl sehr eine frage der stimmung, des zugriffs
im richtigen moment, erst dann kommt der konstruktive
faktor hinzu. werde Dir diese arbeit zeigen. ist doll,
glaub ich, ganz was neues und vielleicht nicht unwichtig.
wenn ich nach‡ Berlin komme*, vielleicht könnte ich
wirklich bei Dir wohnen? falls es nicht zu weit
draussen ist. es kommen vielleicht auch freunde aus
Cuba. meine kohlen, bitte verfüge über dieselbigen.
wenn ich mit den liedern fertig bin, mach ich ein
stück für klavier, elektronik, orchester: Tristan, und
dann ein stück musiktheater für London. weiteres weiss
ich nicht. ich hoffe es geht Dir gut, oder wieder
besser. dass Du fein arbeiten kannst und Dich am bevor-
stehenden frühling freuen.
tausend gute wünsche und grüsse
hans
[Envelope, Manuscript]
R. D. T.
(Germania
Ouest)
[D.] D. R.
Posta Aerea
Par avion
Prof.
Ruth Zechlin
Waldstrasse 30
1115 Berlin-Buch
Bielkenweg 8
La Leprara
00047 Marino (Roma)
Editorial
Tradition
-
Text Source: Berlin (Deutschland), Staatsbibliothek zu Berlin. Musikabteilung (D-B), Briefsammlung Ruth Zechlin
Shelf mark: 55 Nachl 56,17Physical Description
- Document type: Letter
- Henze_07, helles, dünnes etwas rauhes Papier
- 2 folios
- 2 written pages
- Dimensions: 289x210 [mm] (HxW)
- gefaltet: 2mal quer auf DINlang, unten noch ein 1 cm extra umgeknickt
- Absätze kein Einzug und kein Abstand
Material
Extent
Condition
Layout
Writing styles
-
1.Handwriting, Henze, Hans Werner, felt pen/fineliner (lilac).
Text Constitution
-
"o"added above
-
"nach""viell" crossed out and replaced with "nach"
Commentary
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"… war am 22. märz"Laut Premierenarchiv des Gärtnerplatztheaters fand die Premiere am 23. März 1973 statt.
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"… zur premiere vom jungen Lord"Die Inszenierung fand in der Regie von Kurt Pscherer statt, die Ausstattung verantwortete Ruodi Barth und die Musikalische Leitung hatte Ulrich Weder.
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"… jungen Lord am 26. märz"In der Autobiographie, S. 386 nennt Henze als Datum den 29. März 1973. Die musikalische Leitung hatte Julius Rudel, es inszenierte Sarah Caldwell.
-
"… – Strehler ) in Versailles"Vgl. Autobiographie, S. 387.
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"… London wo ich elektronisches machte"Laut Autobiographie, S. 387, besprach Henze bei diesem Termin mit Peter Zinofieff die elektronischen Anteile für „Tristan“, s. u..
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"… nicht gern belügen. beluga Kaviar"Beluga ist der russische Name des europäischen Hausen, der größten Fischart aus der Familie der Störe. Die Eier dieses Fisches gelten als hervorragender Kaviar.
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"… wenn ich nach Berlin komme"Hier spricht Henze den geplanten Besuch der X. Weltfestspiele der Jugend und Studenten 1973 an.