Brief (mit Umschlag) von R. Zechlin an H. W. Henze, 6. Mai 1990

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[Manuskript]

Berlin, 6. 5. 90Hans, lieber Hans,

nun kennen wir uns bereits etwa 40 Jahre* –
und wie gut ist es, daß es in Kontinuität
immer wieder Höhepunkte gibt, die Du durch
Deine Musik auslöst.

Deine neue Oper ist grandios!*

Ich habe nach dem ersten Hörerlebnis und
dem erfreulichen Zusammensein mit allen
Henzes* heute Nacht fast kein Auge zugetan.
Du hast psychologisch feinnervigst auf den
Vorwurf reagiert – mit jeder Linie, jeder
Klangfarbe, jeder rhythmischen Struktur.
Die sinfonische Dichte hält durch, dabei
sind es immer Deine Dir eigenen Ton-
kombinationen, welche entstehen.

„schmerzhaft-schön“ möchte ich sie be-
zeichnen

Es wäre schon höchst erfreulich, wenn Du
im Herbst einmal bei mir vorbeischauen
würdest. Die Philharmonie ist genau 10
Min. von mir entfernt!*

Paß’ weiter gut auf Dich auf! Ich denke
in alter, bewährter Freundschaft an Dich
und grüße Dich in großer Herzlichkeit!
Deine Ruth

Tel: 2296942

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[Umschlag, Manuskript]

Prof. Dr. H. W. Henze
Italia

fig.: Flugzeug
par avion
by Air Mail

La Leprara
Via del Fontanile

00047 Marino (Roma)


Zechlin. An der Kolonnade 12/0802 1080

DDR

Apparat

Verantwortlichkeiten

Herausgegeben von
Irmlind Capelle
Übertragung
Irmlind Capelle

Überlieferung

  • Textzeuge: Basel (Schweiz), Paul Sacher Stiftung (CH-Bps), Sammlung Hans Werner Henze
    Signatur: Korrespondenz Ruth Zechlin

    Quellenbeschreibung

    • Dokumenttyp: Brief
    • Material

    • Briefpapier
    • Umfang

    • 1 Blatt
    • 1 beschriebene Seite

Schreibstile

    Einzelstellenerläuterung

    • "… uns bereits etwa 40 Jahre"Zum Beginn der Bekanntschaft beider vgl. die Einführung zum Briefwechsel.
    • "… Deine neue Oper ist grandios!"Die Uraufführung fand am 5. Mai 1990 in der Deutschen Oper Berlin statt, d. h. Ruth Zechlin schrieb diesen Brief spontan einen Tag später.
    • "… erfreulichen Zusammensein mit allen Henzes"Hiermit meint Ruth Zechlin sicherlich alle Beteiligten und Freunde, die gewöhnlich an einer Premierenfeier teilnehmen. Vgl. hierzu die Einladung, die sich im Nachlass von Paul Sacher erhalten hat.
    • "… 10 Min. von mir entfernt!"Laut Absenderangabe auf dem Umschlag wohnte Ruth Zechlin zu dieser Zeit „An der Kolonnade“ in Berlin-Mitte.

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