Briefkarte (mit Umschlag) von H. W. Henze an R. Zechlin, 3. August 1986
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- 1986-07-01: von Zechlin
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- 1986-11-05: von Sacher
[Manuskript]
3 / 8 / 86 Liebe Ruth,
schreibe dies auf einem Berg unter einem Baum und bedanke
mich für Deinen hübschen am Kudamm geschriebenen Brief
und für die schöne Laudatio in der münsteraner Zeitschrift.*
Mein Gedicht für Dich‡ sollte eigentlich als Cabel der Western Union
aus New York abgedruckt werden, aber‡ was ja viel schicker und
lustiger gewesen wäre, aber das ging auf Grund von Kommunikations-
schwierigkeiten leider schief. Was mich geärgert hat.
Bin seit knapp einer Woche in diesen Bergen und erhole mich endlich
einmal, viel schlafend und nicht arbeitend. Habe schöne Erlebnisse
hinter mir, Ruth Berghaus’ Inszenierung meines „Orpheus“ in Wien* und
Simon Rattles unglaublich luzide ud überwältigende Aufführung
meiner 7. in London* gehören dazu. Hatte es in meinem ganzen
Leben noch nicht so gut* und denke mir dass es Dir ähnlich
geht. Man muss also 60 werden, klarer Fall. Wünsche Dir, dass auch
Du die neuerworbenen Privilegien* in vollen Zügen geniesst, dass Du
Dich ehren lässt* und verwöhnen und Dir Zeit nimmst zum
Leben und zum Schreiben!
Herzlichst
Dein
hans
[Umschlag, Manuskript]
D. D. R.
Frau Ruth Zechlin
Bielckenweg 8
1115 Berlin – Buch
Apparat
Überlieferung
-
Textzeuge: Berlin (Deutschland), Staatsbibliothek zu Berlin. Musikabteilung (D-B), Briefsammlung Ruth Zechlin
Signatur: 55 Nachl 56,31Quellenbeschreibung
- Dokumenttyp: Briefkarte
- gelbe Briefkarte
- 1 Blatt
- 2 beschriebene Seiten
- Abmessungen: 104x149 [mm] (HxB)
Material
Umfang
Schreibstile
-
1.Handschrift, Henze, Hans Werner, Kugelschreiber (schwarz).
Textkonstitution
-
"für Dich"über der Zeile hinzugefügt
-
"aber"durchgestrichen
Einzelstellenerläuterung
-
"… Laudatio in der münsteraner Zeitschrift."Hier irrt Henze: Die Laudatio und sein Gedicht erschienen in der „Zeitschrift für Musikpädagogik“, die in Regensburg verlegt wurde. Die beiden persönlichen Geburtstagsgrüße der Geehrten werden gerahmt von zwei Beiträgen von Brunhilde Sonntag zu Zechlin und von Helmut Hopf zu Henzes „Das Floß der Medusa“.
-
"… Inszenierung meines Orpheus in Wien"Es handelt sich hierbei um die Uraufführung der reduzierten Fassung, die am 20. Juni 1986 in der Wiener Staatsoper stattfand. Über diese Inszenierung gab es am 27. März 1987 noch ein „Werkstattgespräch“ in der Akademie der Künste; vgl. das Protokoll dieser Veranstaltung im Archiv der Akademie, Signatur: AdK-O 3084.
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"… Aufführung meiner 7. in London"Diese Aufführung fand bei den BBC Proms 1986 am 25. Juli 1986 in der Royal Albert Hall mit dem City of Birmingham Symphony Orchestra statt.
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"… Leben noch nicht so gut"Gegenüber Paul Sacher gibt Henze im Brief vom 24. Oktober 1986 einen ausführlicheren Bericht von den Ehrungen zu seinem 60. Geburtstag.
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"… auch Du die neuerworbenen Privilegien"In der DDR durften seit dem 2. November 1964 Rentner, d. h. Frauen ab dem 60. Geburtstag, Männer ab dem 65. Geburtstag in den Westen reisen (anfangs nur mit Einladung und Genehmigung). Für Berliner waren damit (zumindest in den 1980er Jahren) auch spontane Reisen von Ost- nach West-Berlin möglich, weshalb Ruth Zechlin einen Brief auf dem Kudamm schreiben konnte. Außerdem wurde Ruth Zechlin 1986 emeritiert, lehrte aber weiterhin als Gastprofessorin und an der Akademie der Künste.
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"… dass Du Dich ehren lässt"Die DAK veranstaltete für Ruth Zechlin im Kammermusiksaal des Schauspielhauses ein Konzert und in Verbindung mit dem Kulturbund eine Komponistenwerkstatt; vgl. den Bericht von Eckart Schwinger.