Brief (mit Umschlag) von H. W. Henze an R. Zechlin, 5. Februar 1972
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- 1972-01-05: an Enzensberger
- 1971-12-30: von Enzensberger
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- 1972-04-17: an Barnet
- 1972-03-01: von Enzensberger
[Manuskript]
z. Zt. Frankfurt a. M.
Städtische Bühnen
Opernhaus
5. II. 72
anbei die vollmacht. bitte entschuldige die verzögerung*.
ich habe eine schwere zeit: zuerst war ich sehr
mit dem Heliogabalus beschäftigt (der nun endlich fertig
ist) dann musste ich nach münchen zum dirigieren,
und da passierte, in der 5. probe zu meiner
6. sinfonie dass ich auf dem podium umfiel*. sehr
peinlich. poliklinik 2 wochen mit dem resultat
dass nun das dirigieren mir verboten ist. habe alles
abgesagt. bitte behalte es noch für Dich, damit
keine gerüchte entstehen. vielleicht ist es ja gut so,
die natur wollte wohl, dass ich endlich mit dem
vagabundieren aufhöre und in ruhe arbeite. ohne
mich kaputtzumachen. finde es ganz gut so. wenn
ich also hier die inszenierung vom „jungen lord“ fertig
habe, kann ich nach hause fahren und lesen,
blumen setzen, schreiben, nachdenken. ohne dauernd mit
neuen „gesichtern“ konfrontiert zu sein.
hoffentlich ist bei Dir alles in ordnung und das haus-
problem gelöst. und die 3. sinfonie, wie war
sie? lass mich das bitte wissen*.
diese stadt hier ist grauenvoll aber „real“ und nicht
so verlogen wie das gelackte verkackte münchen was
ich abscheulicher finde als dies hier, wo zugegeben
wird das elend der amerikanisierung.
das inszenieren macht mir zwar spass, aber der
arbeits„stil“ ist so unwürdig und medioker, das käme
in der D.D.R. zum beispiel überhaupt nicht in frage!
daher, fürchte ich, wird die aufführung auch nicht so
werden, wie sie von mir tendenziell gedacht war.
sehr bedrückend.*
ich hoffe, Deine 3. war ein grosser erfolg.
und dass ich sie bald mal hören kann.
alles Gute für Dich,
herzlichst
Dein
hans
[Umschlag, Manuskript]
Mit Luftpost
par avion
by air mail
D. D. R.
Prof. Ruth Zechlin
1115 Berlin – Buch
Bielkenweg 8
Apparat
Überlieferung
-
Textzeuge: Berlin (Deutschland), Staatsbibliothek zu Berlin. Musikabteilung (D-B), Briefsammlung Ruth Zechlin
Signatur: 55 Nachl 56,15Quellenbeschreibung
- Dokumenttyp: Brief
- hellblaues, dünnes Papier
- 2 Blätter
- 2 beschriebene Seiten
- Abmessungen: 297x210 [mm] (HxB)
- gefaltet: quer, längs auf DinA 6
- Absätze kein Einzug und kein Abstand
Material
Umfang
Zustand
Layout
Schreibstile
-
1.Handschrift, Henze, Hans Werner, Filzstift/Fineliner (schwarz).
Einzelstellenerläuterung
-
"… vollmacht. bitte entschuldige die verzögerung"Welche Vollmacht Henze hier ausgestellt hat, ließ sich bislang nicht nachweisen.
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"… ich auf dem podium umfiel"Die Aufführung der 6. Sinfonie erfolgte im Rahmen der Reihe „musica viva“ am 3. März 1972. Das Dirigat übernahm Rafael Kubelik.
-
"… lass mich das bitte wissen"Die UA der 3. Sinfonie von Ruth Zechlin hatte am 7. Januar 1972 in der Staatsoper Berlin mit der Staatskapelle Berlin und Leitung von Dieter-Gerhardt Worm stattgefunden; vgl. den Artikel zu der Sinfonie in Musik und Gesellschaft 20. Jg (1972), S. 362f.
-
"… tendenziell gedacht war. sehr bedrückend."Die Premiere des „jungen Lord“ fand am 27. Februar 1972 an den Städtischen Bühnen in Frankfurt statt. Es dirigierte Klauspeter Seibel, Ausstattung und Kostüme besorgte Pierre Luigi Pizzi.