Ruth Zechlin, Zum 25. Geburtstag unserer Republik: Erinnerungen und Erlebnisberichte
Zum 25. Geburtstag unserer Republik: Erinnerungen und Erlebnisberichte
Bedeutsame internationale Treffen fielen in diesen Zeitraum: der Internationale Frauenkongreß* und die X. Weltfestspiele. An beiden Ereignissen habe ich teilgenommen – und beide haben mich emotional besonders angesprochen. Daß Solidarität und Weltfrieden hier eine Heimat und eine gesicherte Ausgangsposition gefunden haben, daß sie nicht Theorie bleiben, sondern praktisch gelebt werden – die Bestätigung dessen hat die Teilnahme so produktiv und sinnvoll für mich werden lassen.
Beim Internationalen Frauenkongreß saß ich im Präsidium und erlebte so die vielgestaltigen Probleme und Anliegen der einzelnen Rednerinnen besonders unmittelbar. Mir sind meine bildschönen, ausdrucksstarken Nachbarinnen aus Indien und Mali unvergeßlich – und ich habe es einmal in meinem Leben bedauert, daß ich Komponistin und nicht Malerin geworden bin! Daß mein Violinkonzert im Festkonzert erklang, war eine besondere Freude für mich.*
Im vorigen Jahr war bei uns die Jugend der Welt zu Gast*. Die „Manifestation der Künstler“, der ich mich als Akademiemitglied anschloß*, fand ihren sichtbaren Ausdruck in einer Veranstaltung im Friedrichstadtpalast*. Und ich weiß heute noch nicht, wovon ich am meisten gefesselt war: von der zauberhaften, faszinierenden Myriam Makeba, den stampfenden Rhythmen der Negertänzer, den mutigen Gesängen unserer chilenischen Freunde oder von den Worten Hans Werner Henzes*. In diesen belebten Tagen gab es noch manche interessante Begegnung, noch manches künstlerisches Ereignis, das nachschwingt.
Derartig vielfarbige Anregungen wünsche ich mir weiterhin, weil ein solches Spektrum starke Impulse aussendet für die eigene schöpferische Arbeit.
Apparat
Entstehung
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Überlieferung
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Textzeuge: , Zum 25. Geburtstag unserer Republik: Erinnerungen und Erlebnisbericht, in: , Bd. 25, S. 595
Einzelstellenerläuterung
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"… diesen Zeitraum: der Internationale Frauenkongreß"Hier spricht Ruth Zechlin die Treffen des Demokratischen Frauenbundes Deutschlands an, von denen der 8. Kongress vom 25. bis 27. Juni 1964 in Berlin stattfand.
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"… eine besondere Freude für mich."Bei diesem Kongress gab das Berliner Rundfunksinfonieorchester in der Volksbühne ein Sonderkonzert unter dem Titel „Ein Gruß den Frauen“, in dem ausschließlich Kompositionen von Frauen erklangen. Neben Zechlins Violinkonzert (Solist: Egon Morbitzer) außerdem eine Ouvertüre für Orchester von Grazyna Bacewicz, ein Trompetenkonzert von Alexandra Pachmutowa, die Sinfonietta op. 11 von Vitezslava Kaprálová und ein Doppelkonzert für Oboe, Fagott und Streichorchester von Elizabeth Maconchy; vgl. die kurze Notiz in „Musik und Gesellschaft“, 1964, S. 511..
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"… Jugend der Welt zu Gast"Zechlin meint hier die X. Weltfestspiele der Jugend und Studenten; vgl. hierzu die Briefe aus dem Jahr 1973, insbesondere den Brief vom 14. September 1973.
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"… ich mich als Akademiemitglied anschloß"Vgl. hierzu die Publikation der Manifestation im Neuen Deutschland am 31. Juli 1973 mit der Liste der Unterzeichner*innen.
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"… in einer Veranstaltung im Friedrichstadtpalast"Vgl. hierzu die Einführung zur Korrespondenz.
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"… den Worten Hans Werner Henzes"Bislang ließ sich die Rede Henzes bei dieser Veranstaltung nicht nachweisen. In den bisher eingesehenen Unterlagen zu dieser Veranstaltung in der AdK wird Henze nicht als Redner genannt, dagegen Luigi Nono, doch in dem Bericht im Neuen Deutschland am 31. Juli 1973 (Titelseite) wird er ausdrücklich erwähnt.